Berater: Freibad zur Disposition stellen

von Claus Wiegert, Schwarzwälder Bote
www.swol.de

Loßburg. Bevor der Loßburger Gemeinderat das zweite Konsolidierungspaket auf den Weg brachte, hatte der externe Berater Gerhard Engler das Wort: Eindringlich mahnte er strukturelle Einsparungen an – und riet dazu, das Loßburger Freibad zur Disposition zu stellen.


Denn zwei Bäder seien für eine Gemeinde von Loßburgs Größe nicht nur atypisch, sondern auch "deutlich über dem Standard". Eventuell ergebe sich eine Lösung mit bürgerschaftlichem Engagement. Ehrenamtlich aktive Bürger seien oft bereit, "sich in die Pflicht nehmen zu lassen", betonte der frühere Bürgermeister in Geislingen an der Steige bei der jüngsten Sitzung des Loßburger Gemeinderats. Vereine und Sponsoren seien ebenfalls "oft in der Lage, Aufgaben der Gemeinde zu übernehmen". Engler gab allerdings auch zu bedenken, dass im Hallenbad und in der Sauna Reparaturen für mehr als 500 000 Euro nötig seien.

Bürgermeister Thilo Schreiber warnte davor, den ehrenamtlichen Einsatz überzustrapazieren: "Es gibt auch Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements". Beim Betrieb eines Bads seien viele Vorschriften zu beachten. Im Bäderwesen, räumte Schreiber allerdings ein, "sind wir noch nicht an dem Punkt, an dem wir sein sollten." Deutlicher wurde CDU-Gemeinderat Arnold Hirsemann: "Wenn wir an das Freibad gehen, ist das ein Einschnitt, der richtig weh tut. Aber wir sollten es trotzdem zumachen." Manfred Hauser (Freie Wählervereinigung) hielt es für wichtig, bei den Sparmaßnahmen die Betroffenen einzubeziehen und ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass schon alles beschlossen sei. Schreiber kündigte an, dass "intensiv über das Freibad gesprochen" werde, unter anderem mit dem Förderverein und der DLRG.

Dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt

Die dezentrale Gliederung Loßburgs bringe, wie Gerhard Engler betonte, manche atypische Belastung – so gebe es in der Gesamtgemeinde unter anderem neun Friedhöfe und fünf Bürgerhäuser. Die Personalkosten der Gemeinde lägen mit 442 Euro pro Einwohner etwa im Rahmen, nicht aber die Gesamtverschuldung: Sie sei mit 2013 Euro pro Einwohner mehr als dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Der Loßburger Gemeinderat, so der frühere Bürgermeister, gehe den Weg der Haushaltskonsolidierung konsequent, aber das Ziel sei noch nicht erreicht. Sparpotenzial sah Engler vor allem im Kur- und Badebetrieb. Dort ergebe sich jährlich rund eine Million Euro Abmangel.

Grundsätzlich empfahl Engler beim Konsolidierungskurs eine systematische Aufgabenkritik, ein Bäderkonzept und nachhaltige Verbesserungen der Haushaltslage. Dabei müsse man die "großen Kostenfresser" besonders im Blick behalten. Das oberste Sanierungsziel sei es, eine Million Euro pro Jahr zu sparen. Das sei nicht in ein paar Wochen und Monaten zu machen, sondern ein längerer Prozess. Konkret in der Umsetzung sei von diesem Betrag bereits eine Summe von 650 000 Euro. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zuführungsrate in sechs Haushalten negativ gewesen, wurden die laufenden Ausgaben im Verwaltungshaushalt also nicht durch Einnahmen gedeckt, geschweige denn, das ein Überschuss für Investitionen erwirtschaftet wurde. Loßburg sei nun auf Schlüsselzuweisungen angewiesen.

Wichtig sei es nun vor allem, so Engler, den Fehlbetrag in den Etats der Jahre 2009 und 2010 in Höhe von insgesamt 3,4 Millionen Euro abzubauen und den Verwaltungshaushalt auszugleichen. Neben dem Bäderkonzept regte Engler auch eine Kostenreduzierung bei der Loßburg Information und eine Reduzierung des Standards im Straßenbestand an. Und er empfahl, die Bürger stärker einzubinden: "Sie müssen betroffene zu Beteiligten machen." Bürgermeister Thilo Schreiber bilanzierte, dass die Optimierung der Einnahmen schon erschöpft sei und man sich nun "auf strukturelle Dinge konzentrieren" müsse.

Der Konsolidierungsausschuss des Gemeinderats wird nach dem Beschluss des Gemeinderats um die drei Ortsvorsteher Gottlob Huß (Wittendorf), Gerhard Haas (Lombach) und Kurt Winter (Schömberg) erweitert.

Attraktion im Ferienland Loßburg: Mehr als 23 000 Besucher wurden dieses Jahr in der Badesaison im Freibad registriert. Noch im September hatte Bürgermeister Thilo Schreiber betont, es müsse das Ziel der Gemeindeverwaltung und des Fördervereins sein, das Freibad noch attraktiver zu gestalten und zugleich die Betriebskosten für die Gemeinde zu senken. Jetzt ist der Erhalt des Freibads mit der Gemeinde als Betreiber allerdings mehr als fraglich.

Hier geht's zum Freibad!

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